Das einstige Deutsch-Ostafrika

Die Vereinigte Republik Tansania, mit 942.755 km² über zweieinhalbmal so groß wie Deutschland, entstand am 12. April 1964 aus dem Zusammenschluss von Tanganyika, Sansibar und Pemba. Der Staatsname bildet sich aus TANganyika + ZAnzibar + AzaNIA (früherer griechischer Name für die ostafrikanische Küste).

Von 1890 bis 1918 hieß Tansania zusammen mit den heutigen Staaten Burundi und Ruanda „Deutsch-Ostafrika“ und galt als die vierte deutsche Kolonie nach Namibia (Deutsch-Südwestafrika), Togo und Kamerun. Bis zur Unabhängigkeit 1961 war Tansania britisches Treuhands- und Mandatsgebiet. Amtssprachen sind bis heute Kisuaheli und Englisch; Hauptstadt ist Dodoma, wobei Dar es Salaam de facto Verwaltungs- und Regierungszentrum ist.

Tansania, das Land der Seen, Berge und einer vielseitigen Tier- und Pflanzenwelt, besticht vor allem durch seine Superlativen. So weist das Land die größte zusammenhängende Population an Wildtieren in ganz Afrika auf; das Selous Game Reserve besitzt die größte Elefantenpopulation der Welt. Zwei der fünf höchsten Berge des Kontinents stehen in Tansania. Allen voran der Mt. Kilimandscharo, der mit seinen 5.895 m das Dach Afrikas bildet und zudem der höchste freistehende Berg der Welt ist. Zweithöchster Berg des Landes und über 1.300 m niedriger als der „Kili“ ist der Mt. Meru (4.566 m). „Den Boden Afrikas“ bildet der tiefste, längste und zweitgrößte See Afrikas, der Tanganyikasee (700 m unter n.N.), der mit vielen anderen Gewässern, wie dem Viktoriasee im Norden und den Gewässern vor Sansibar, die größte Wasseroberfläche Afrikas ergibt.

Die größten Inseln Ostafrikas (Sansibar, Pemba, Mafia) liegen vor der tansanischen Küste.

Abwechslungsreiches Klima

Tansania unterliegt insgesamt äquatorialen Klimabedingungen, die jedoch wegen den stark variierenden Landschaftsformen sehr unterschiedliche Ausprägungen haben können. Insbesondere in den Regionen am afrikanischen Grabenbruchsystem, wo sich auf nur wenigen Kilometern Höhenunterschiede von mehr als 2.000 m ergeben, finden sich verschiedenste Klimaverhältnisse. Typisch schwül-heißes, tropisches Klima herrscht nur im Küstenvorland und auf den Inseln.

Die tansanischen Vegetationsformen reichen von alpinen Wüsten aus Lavageröll über grasbewachsene Steppen bis hin zum ewigen Eis auf dem Kibo, dem höchsten Gipfel des Kilimandscharo-Massivs.
Mehr als zwei Drittel des Landes sind mit riesigen Trockenwäldern und Savannen überzogen, die Hänge des Kilimandscharo mit einem riesigen tropischen Regenwald bewachsen.

Wild- und Naturschutz auf Rekordkurs

Insgesamt sind fast 250.000 km² der Staatsfläche dem Natur- und Wildschutz gewidmet. Allein die Nationalparks und Game Reserves (Wildreservate) nehmen 16% der Landesfläche ein; das bedeutet die Führungsrolle auf dem gesamten afrikanischen Kontinent.

Die Nationalparks finanzieren sich vor allem aus Entwicklungshilfe, Geldspenden und ausländische Unterstützung, wie etwa den Nachfolgeorganisationen von Bernhard Grzimek, dem Gründungsvater des Serengeti Nationalparks. Seit 1995 zählt Tansania mit dem Mafia Island Marine Park seinen ersten maritimen Nationalpark. Gebiete wie der Ngorongoro-Krater sind als Conservation Area ausgezeichnet.

So dürfen die Maasai mit ihrem Vieh harmonisch mit den streng geschützten Wildtieren in einem Gebiet leben. In den sog. Game Reserves ist nur die Nutzung, nicht aber die Besiedlung erlaubt. Diese Gebiete dienen hauptsächlich dem professionellen Jagdtourismus mit ausländischen Kunden. Für die Jagd in Game Controlled Areas muss dagegen eine Lizenz eingeholt werden. Sogenannte Forest Reserves sollen die Bergregenwälder hinsichtlich des Klimas und als ökologischer Wasserspeicher vor der Abholzung bewahren.

Die Wirtschaft – Landwirtschaft als Haupteinnahmequelle

Tansania ist eines der ärmsten Länder der Welt. 90% der Erwerbstätigen sind im Agrarsektor beschäftigt. Als wichtigste Exportware gelten Kaffee, Tee, Bananen, Baumwolle und Tabak. In kleinerer Zahl werden auch Sisal, Weizen, Reis, Mais und Hirse angepflanzt. Die Viehhaltung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Rinder und Ziegen werden in erster Linie für die Selbstversorgung gezüchtet. Die Maasai dagegen betreiben eine reine Viehwirtschaft. Dort gelten Rinder als gesellschaftliches Statussymbol. Im industriellen Sektor ist vor allem die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und zunehmend auch der Abbau von Gold und Diamanten von Bedeutung.

Menschen und Völker

Ein Hauptmerkmal Tansanias im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten ist die innenpolitische Stabilität. Hauptverantwortlich dafür ist, dass keine der etwa 130 Volksgruppe mehr als 3 Mio. Menschen zählt. Das Land wird geprägt von einem „Wir-Gefühl“, man fühlt sich mehr als Tansanier. Die ethnische Gruppe spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Die meisten der über 33 Mio. Einwohner leben in den Städten in Küstennähe, an den Hängen des Kilimandscharo und in den Usambara-Bergen.

Für Tansanier ist der Glaube sehr wichtig. Etwa 43% sind Christen, 38% Moslems, knapp 1% hängt dem hinduistischen Glauben an und ca. 18% sind Anhänger traditioneller Religionen und der Ahnenkultur.

Kunst und Kultur

Traditionelle Schnitzkunst und Töpferei, Metallverarbeitung und Schmiedekunst haben neben ihrem funktionalen Wert auch eine enge Verbindung mit Religion und Mythologie. Viele alte Kunstgegenstände finden in Riten und Festen erst die eigentliche Verwendung, in Kombination mit Tanz, Musik, Gesang und religiösen Festen und Opfergaben. Holzschnitzerei und -skulpturen haben wenig Tradition in Ostafrika.

Dieses Handwerk wurde erst von den Arabern, Indern und auch Europäern im 19. Jahrhundert eingeführt. Die Töpferkunst dagegen reicht weit zurück. Traditionelle Töpferei wird ohne Töpferscheibe und vorwiegend von Frauen praktiziert. Verzierungen werden eingeschnitten, gemalt oder modelliert, das hergestellte Gefäß im offenen Feuer gebrannt. Die Kunst der Malerei ist allein auf die touristische Nachfrage zurückzuführen. Viele versuchen als Maler oder Zeichner ein bisschen Geld zu verdienen. Traditionelle Musik in Ostafrika bildet eine Einheit mit Tanz, Religion und Ritualen.
Wichtigstes Instrument hierbei ist die Trommel. Das Kisuaheli-Wort ngoma steht sowohl für alles, was mit musikalischen Aufführungen zu tun hat, als auch für Trommel.